Was sind die Unterschiede zwischen Psychotherapeut, Psychologe, Psychiater und Nervenarzt?

Psychotherapeuten können sich alle Personen nennen, die in irgendeiner Form Psychotherapie durchführen, die Bezeichnung ist nicht geschützt.
Die von den Krankenkassen anerkannten Psychotherapeuten sind entweder Ärzte oder Psychologen (andere Berufsgruppen sind nicht zugelassen) und müssen eine genau definierte Ausbildung erfolgreich absolviert haben. Sie können sowohl von ihrer KK als auch von der Kassenärztlichen Vereinigung eine Liste der anerkannten Psychotherapeuten bekommen. Auf dieser Liste ist auch vermerkt, nach welchen der 3 anerkannten Methoden sie arbeiten.
Kinder- und Jugendpsychotherapueten haben eine spezielle Ausbildung.
Psychologen haben ein Studium der Psychologie (Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen) mit dem Diplom abgeschlossen. Sie müssen nicht unbedingt Psychotherapeuten sein, sondern können z. B. auch in Unternehmensberatung, Personalmanagement, Erziehungsberatung, Marktforschung, Verkehrspsychologie etc. arbeiten.

Ein psychologischer Psychotherapeut hat nach seinem Psychologiestudium noch eine gesonderte psychotherapeutische Ausbildung absolviert.
Wollen Sie eine Psychotherapie bei einem Psychologen machen, benötigen Sie zur Kostenübernahme durch die KK  einen sog. Konsiliarbericht eines Arztes. Durch diese ärztliche Untersuchung soll vor Therapiebeginn eine körperliche Ursache der seelischen Symptome ausgeschlossen werden.

Ein Psychiater ist ein Arzt, der nach seinem Medizinstudium noch eine mehrjährige Facharztausbildung in Psychiatrie absolviert hat. Psychiatrie ist ein 1808 geprägter Begriff für Seelenheilkunde. Für den Psychiater stehen die organischen und seit dem letzen Jahrhundert auch die sozialen Aspekte einer seelischen Erkrankung im Vordergrund, die innerseelischen Aspekte fallen mehr in das Feld des Psychotherapeuten, die Übergänge sind hier heutzutage aber fließend. Ein Psychiater behandelt schwere psychische Erkrankungen wie z. B: Schizophrenien, schwere Depressionen und Manien sowie Suchterkrankungen überwiegend mit organmedizinischen Maßnahmen wie Medikamenten. Manche Psychiater haben eine psychotherapeutische Zusatzausbildung und können dann auch Psychotherapien durchführen.
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, vor einer Psychotherapie eine psychiatrische Diagnostik zu durchlaufen.

Ein Neurologe ist ein Arzt, der nach seinem Medizinstudium noch eine mehrjährige Facharztausbildung in Neuroloige absolviert hat. In der Neurologie geht es um die Krankheiten des Nervensystems, d.h. des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark) sowie des peripheren Nervensystems (z.B. Nervenlähmungen, -reizungen wie Ischias durch Bandscheibenvorfälle) und der Muskulatur. Es geht also im wesentlichen um organisch klar definierte Krankheiten, deren Ursache und BehandlungN an einigen Stellen gibt es Überschneidungen zu Psychiatrie.

Nervenarzt ist eine alte Facharztbezeichung, weil sich die Aufteilung in Psychiatrie und Neurolgie erst im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Ein klassischer Nervenarzt hat sowohl psychiatrische als auch neurolgische Kompetenz.